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PRESSE - KRITIK
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LZ vom 29.05.2011 Haydn - Die Jahreszeiten
Freud und Leid auf dem Lande Die Städtische Cantorei führt im Bardowicker Dom Haydns “Jahreszeiten” auf
ff Bardowick. Mit seinem Oratorium „Die Schöpfung" hatte Joseph Haydn europaweit Erfolg. Also beschloss der Meister, um die günstige Stimmung auszunutzen, schnell noch ein ähnliches Werk zu veröffentlichen. Aber ach, zwei Jahre arbeitete der gesundheitlich angeschlagene Haydn, er kam mit dem Libretto nicht klar, das wieder Baron Gottfried van Swieten schrieb. Am 24. April 1801 endlich feierte das Oratorium „Die Jahreszeiten" Premiere, es wurde zunächst ein Erfolg, aber kein Dauerbrenner. Heute hat sich das Werk neben der „Schöpfung" etabliert. Im vollbesetzten Bardowicker Dom erinnerte die Städtische Cantorei Lüneburg unter der Leitung von Birgit Agge an den Charme und den Bilderreichtum der „Jahreszeiten".
Eigentlich geht es hier nicht um ein Oratorium, sondern um einen Zyklus von Kantaten, die das Landleben im Wechsel der Jahreszeiten beschreiben. Außerdem dreht sich die Geschichte um Alltagsszenen, um die Arbeit der Hirten und um das Brennen der Mittagssonne (es gibt sogar eine „besoffene Fuge"), und nicht um dramatische Bibelthemen oder um Sagen der Mythologie der Antike. Deshalb wohl war das Publikum im 19. Jahrhundert irritiert. Solche Irritationen gibt es im 21. Jahrhundert nicht. Birgit Agge dirgierte einen Chor, der die Launen der Natur erfahrbar machte, dem Sturm ebenso eine Stimme gab wie den Landarbeitern, der die reiche Ernte preisen und die Sehnsucht des einsamen Wanderers im morgendlichen Winternebel schildern kann. Die mehr als zweistündigen „Jahreszeiten" haben keine ausgeprägten Höhepunkte. Es geht nicht um das Schicksal des Christentums, sondern eher um Freud und Leid des Einzelnen, um die einfachen gottesfürchti-gen Menschen im Niederösterreich des späten 18. Jahrhunderts, die zugleich im Einklang mit der Natur wie mit dem Herrn zu leben versuchten.
Umso wichtiger ist es, Stimmungen und Entwicklungen herauszuarbeiten, den Liedern und Rezitativen ihre eigene Dramaturgie zu geben. Das gelang der Städtischen Cantorei ausgezeichnet. Sie wurde unterstützt vom Orchester der Sinfo-nietta Lübeck, die der klaren Zeichengebung von Birgit Agge ebenso präzise folgte wie der gemischte Chor. Und natürlich waren es die Solisten, die Akzente setzten, ihre eigene Geschichte erzählten: Bassist Philipp Kaven in der Rolle des Pächters Simon, Sopranistin Heike Porstein als seine Tochter Hanna, Tenor Martin Hun-delt als der junge Bauer Lukas.
So bleiben die Bardowicker „Jahreszeiten" im lichtdurchfluteten Dom in bester Erinnerung, vom Publikum immer wieder mit Beifall und am Ende mit langem Applaus bedacht.
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LZ vom 7.12.2010 Romantik - Schubert und Mendelssohn
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oc Bardowick.
Erfolg mit einem Romantik-Doppel
Abseits des gängigen Kanons fand Birgit Agge Literatur für das Konzert zum Advent, das sie mit ihrer Städtischen Cantorei im gut besuchten Dom aufführte. Zu erleben waren zwei Werke der Romantik, die in Melodien schwelgen, gut singbar sind und doch alles fordern, was ein gut geschulter Laienchor anpacken kann. Das Unternehmen glückte, Mendelssohns „Lauda Sion" und Schuberts Messe in As-Dur erfuhren in der straffen Leitung der Dirigentin kompetente Wie-dergaben.
Anders als bei Mendelssohns sonstiger Kirchenmusik lässt sich im „Lauda Sion" kein enger Bezug zu Bach finden. Hier aber ist nach weihevollem Orchester-Auftakt alles aus dem Kantablen, Melodischen heraus entwickelt. Chor und Solisten im Wechsel und miteinander formten den Text mit seinem Farbenreichtum und dynamischen Wechseln ansprechend aus. Zwischen den stetigen Fluss setzte Birgit Agge kurze Zäsuren, und besonders beeindruckten Brüche wie die geflüsterte Dramatik zu Passagen von Schrecken und Schönheit: „Mors est malis, vita bonis".
Das Solistenquartett setzte seine Akzente in zunächst konzentrierter, schneller, aber harmonisch konzertierter Aktion. Herausragend sang Christine Schmidtke. Die Sopranistin wurde in beiden Werken stark gefordert und überzeugte mit angenehmem Timbre, sicherer Stimmführung und scheinbar müheloser Gestaltung. Tiina Zahn (Alt), Steffen Wolf (Tenor) und Bernd Treumann (Bass) wären mehr Aufgaben zu wünschen gewesen, sie konnten ihr Können vor allem im Ensemble beweisen.
Zur Seite stand der Cantorei bei beiden Werken die Klassik-Philharmonie Hamburg. Sie passte sich im besten Sinne routiniert an und bereicherte Schuberts auf pure Schönheit getrimmte Farbmischungen mit Einwürfen von Klarinette, Oboe oder Posaune.
Die ambitionierte, auf maximalen Wohlklang getrimmte As-Dur Messe fährt auf, was zu Schuberts Zeit machbar schien. Die spürbar gründlich vorbereitete Cantorei musste und konnte all ihre Stärken beweisen, im festlichen jubelnden Klangstrom ebenso wie im Gebetston samt sofort einsetzendem, gewaltigem Crescendo. Eine durchgängig starke Leistung war das, sie bekam entsprechenden Beifall.
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LZ vom 7. Dez. 2009 J. S. Bach - Weihnachtsoratorium I-III
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Festliche Klangpracht
Die Städtische Cantorei führt Bachs Weihnachtoratorium im Bardowicker Dom auf
aat Bardowick.
Für eine vollkommene Einstimmung auf Advent und Weihnachten gehört für viele unbedingt Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium. Dessen sechs für die Weihnachtsfeiertage, Neujahr und die beiden darauf folgenden Sonntage komponierten Kantaten sind sowohl durch die rezitierte Weihnachtsgeschichte miteinander verwoben als auch durch die musikalische Anlage um die Tonart D-Dur herum, die im Barock gern für festlichen Glanz eingesetzt wurde. Im Bardowicker Dom bestimmten Jubelstimmung, Klangpracht und federnde Rhythmik die Aufführung der ersten drei Kantaten durch die Städtische Cantorei unter Birgit Agges temperamentvoller Leitung.
Mit einer kurzfristig ins Programm genommenen Konzert-Einleitung sorgte Birgit Agge für eine Überraschung. Für die Sopranistin des von ihr engagierten Solistenquartetts dirigierte sie Bachs Arie „Jauchzet Gott in allen Landen" aus der gleichnamigen Bach-Kantate (BWV 51) in höllischem Tempo. Hedwig Voss, neuerdings in Lüneburg lebende und auf alte Musik spezialisierte Konzertsängerin, meisterte die schwierige Solopartie voller rasanter Sechzehntel und Tonrepetitionen mit atemberaubender Technik. Ihre ungetrübt helle, strahlende Stimme setzte sie auch in den Arien des Oratoriums und als leuchtender Engel der Verkündigung eindrucksvoll in Szene. Mit großem Engagement interpretierten auch die übrigen Gesangssolisten ihre Partien: Mezzosopranistin Tiina Zahn gab ihren Rezitativen und Arien mit warmem Timbre Innigkeit und Gefühlstiefe; Tenor und Evangelist Johannes Luig sang die Weihnachtserzählung schlicht mit lyrischer Erzählkraft; Bassist Julian Koch überzeugte durch nuancierte Stimmstärke und lebhafte Dynamik. Birgit Agge ließ die Arienbe-
gleitung des Continuos und der sensibel interpretierenden Instrumentalsolisten mit dynamischer Tongebung und ohne Vibrato spielen. Nicht Pathos, sondern viel Sensibilität schmückte etwa die berühmte Sinfonia. Auch die gut disponierte, stimmkräftige Cantorei stellte sich auf ihre unterschiedlichen Aufgaben mühelos ein: Freudestrahlende, rhythmisch akzentuierte Chorsätze wechselten sich mit den die Christengemeinde verkörpernden, melodisch und besinnlich gesungenen Chorälen ab. Nach der einleitenden Kantate und am Ende gab es anerkennenden, langen Beifall.
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LZ vom 3. Nov. 2009 Mendelssohn-Bartholdy - Elias
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oc Bardowick.
Es wird eng auf dem Podest. Die Städtische Cantorei zeigt stattliches Format für ein stattliches Werk, das Mendelssohn-Oratorium „Elias". Einige der Männer, die Birgit Agge ohnehin nach vorn postiert, stehen fast im Orchester, als der Chor jetzt das gewaltige Werk im Bardowicker Dom anstimmt. Es wird eine Aufführung, die von Leidenschaft und Dramatik bestimmt wird, mit einem Chor, der sich absolut auf der Höhe seines Könnens befindet.
„Elias" hat Konjunktur in diesem Konzertjahr, das den 200. Geburtstag Felix Mendelssohn Bartholdys bedenkt. Im Sommer war das Oratorium bereits in St, Michaelis zu hören. Birgit Agge findet jetzt im Bardowicker Dom packenden Zugriff auf das Stück, arbeitet die vielen romantisch-dramatischen Impulse eindrucksvoll heraus. Sie kann dazu von ihrem leistungsstarken Chor viel fordern, ob es kraftvolle Crescendi sind, fast geschriene Passagen der Erregung oder auf der leisen Seite das süßliche „Hebe deine Augen auf', für das es im Chor die passenden Engelstimmen gibt.
Das Oratorium steht und fällt mit dem Chor und ebenso mit der Besetzung der Titelpartie. Auch da gibt es Gutes zu sagen, denn der junge David Csizmar setzt sich mit großer, klarer Stimme, guter Aussprache und Lust an der Gestaltung ein - bis in die Körpersprache zeigt er einen beherzten Vortrag. Es ist zugleich zu spüren, dass der Bass-Bariton noch nicht am Zenit seines Könnens angekommen ist. Fast schon zu scharf ist das Tempo für „Ist nicht des Herrn Wort wie ein Feuer", um der dramatischen Wucht der Worte Farbe geben zu können. Eindringlich gelingen die Elias-Worte „Es ist genug", zum Solo-Violoncello und einer sensibel angepassten Orchesterbegleitung.
Manchmal hätte Birgit Agge das gute Niedersächsische Bach-Colleg etwas drosseln dürfen, um Soloworte noch deutlicher herausleuchten zu lassen. Aber sie machen ihre Sache durchweg überzeugend. Neben Csizmar ist es die ebenfalls junge Nicole Schulz, die mit variablem, volumenreichem Sopran ausdrucksstarke Beiträge liefert. Solide, die Stimme klug dosierend, geht Tenor Christoph Kayser zu Werke, und mit ihrer klangschönen Stimme behauptet sich Lokalmatadorin Andrea Glaser-Gallion im Kreis der Solisten.
Das Publikum reagiert angemessen: begeistert.
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LZ vom 1. Dez. 2008 Händel - Der Messias
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Den Schöpfer aller Dinge sehen
Städtische Cantorei singt Händels Oratorium “Messias” im Bardowicker Dom
aat Bardowick. Spontaner Applaus unterbrach die „Messias"-Aufführung im fast voll besetzten Bardowicker Dom: Das beispielhaft gesungene „Halleluja" hatte dem Publikum allzu gut gefallen. Unter Birgit Agges Leitung hatten die Städtischen Cantorei und das Niedersächsische Bach-Colleg diesen weltberühmten Schlusssatz des zweiten Oratorium-Abschnitts mit gelungenen Echowirkungen und strahlenden Klangsteigerungen zu einem erwarteten Höhepunkt gemacht. Textnähe, dynamische Lebendigkeit und Stimmentransparenz prägten die Gesamtinterpretation des leicht gekürzten Händel-Oratoriums. Wie in Trance, in nur 24 Tagen, soll Händel seinen „Messiah" niedergeschrieben haben, im Glauben, „den Himmel offen und den Schöpfer aller Dinge selbst zu sehen".
Das aus Arien, Rezitativen und Chorsätzen bestehende Werk betrachtet die Verheißung, das Kommen, Leiden und Sterben sowie die Auferstehung des Erlösers. Großräumige Harmonien, faszinierende Melodien und illustrative Dramatik beseelen die in purer Klangschönheit schwelgende Musik, mit denen Händel die Menschen nicht nur erfreuen, sondern wohl auch „besser machen" wollte. Birgit Agge wusste die jeweils vorherrschende Grundstimmung der Sätze geradlinig herauszuarbeiten. Die fast 100 Stimmen starke, gut disponierte Kantorei stellte sich mühelos auf ihre Aufgaben ein. Huldigung, hoffnungsvolle Erwartung, Klage und Lobgesang wurden einfühlsam kreiert, durch sprachbetonte, kammermusikalische Durchsichtigkeit etwa in dem Satz „Und es wird reinigen" oder durch gedankenverlorene Schwerelosigkeit („Sein Joch ist sanft")
Birgit Agge dirigierte temperamentvoll, wählte ausgewogene, teils auch sehr zügige Tempi, die von den oft mit quirligen Floskeln verzierten Chorstimmen leicht bewältigt wurden. Stilsicher musizierte das solistisch besetzte Niedersächsische Bach-Colleg, das in den festlichen Sätzen attraktive Strahlkraft entwickelte. Feinfühlig begleiteten Kammerensemble und Continuo auch die Rezitative und Arien, die von einem qualitativ hochrangigen Gesangssolisten-Quartett gestaltet wurden. Mit silberhellem Sopran machte Sopranistin Ulrike Meyer Engelsbotschaften und die Hoffnung auf den Erlöser/glaubhaft. Ihr Sopran und Ute Siegmund-Minichs dunkel-voluminöser, vibrierender Alt ließen das anrührende Duett „Er weidet die Herd'" seelenvoll erblühen. Die Altistin unterstrich die kontemplativen Grundzüge ihrer Reziative und Arien, ebenso machte es der Tenor Winfried Adelmann mit seiner schlanken, sicher geführten Stimme. Mit stattlichem Bass und hohem Textengagement entlockte der Bassist Julian Koch seinen Arien opernhafte Dramatik. Viel verdienter Beifall und langes Fußgetrappel lobten am Ende Birgit Agge und das gesamte Ensemble.
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LZ vom 10. Dez. 2007 Bruckner/ Franck 2 Messen
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aat Bardowick. Anton Bruckners Messe Nr. 3 in f-Moll ist eines der erklärten Lieblingsstücke von Birgit Agge. Doch an dieses von Bruckner selbst als „schwierigste aller Messen" bezeichnete Opus wagte die Chorleiterin und Dirigentin sich erst im 17. Jahr ihrer Arbeit mit der Städtischen Cantorei Lüneburg. Die Cantorei feiert in diesem Jahr ihren 20. Geburtstag. Um dieses Datum würdig zu begehen, stellte Birgit Agge im Bardowicker Dom der Bruckner-Messe eine zweite romantische, an Vokalisten und Instrumentalisiert höchste Ansprüche stellende Messe zur Seite: Cesar Francks op. 12 in A-Dur.
Nicht ohne Grund hat Birgit Agge den Konzerttermin auf den 8. Dezember gelegt, Bruckner brachte seine bereits 1867 fertig gestellte „Große Messe" am 8. Dezember 1873 mit dem Wiener .Hofopern-Orchester selbst zur Uraufführung und hatte damit einen Riesenerfolg. Zuvor hatten viele, darunter der Dirigent der Wiener Hofkapelle und .Förderer Bruckners, Franz Herbeck, das harmonisch und satztechnisch kühne Werk als "unaufführbar" eingestuft. Die dichte Symbolkraft der Klangsprache verlangt ein hohes Maß an Musikalität und Einfühlungsvermögen. Ein Vergleich mit Cesar Francks Messe war durch die Aufführung beider Messen direkt hintereinander geboten: Francks Messe weist ebenfalls in die Moderne, ist kontrastreich, plastisch, illustrativ. Mit Bravour meisterte der rund 80 Mitglieder starke Chor seine Partien in beiden Messen, die in den häufigen Fortissimo-Passagen nicht nur gewaltige Stimmstärke, sondern auch leise Töne und elastische Klanggestaltung verlangen. Birgit Agge sorgte für einen sicheren Zusammenhalt. Die Ausdruckspalette reichte von schwebender Verklärtheit bis hin zu opernhafter Dramatik. Das Erwähnen der Toten etwa in Bruckners „Et expecto" mit den tief liegenden Tönen verebbte nahezu in Tonlosigkeit und die behutsam gesungene Schlussfuge entwickelte sich lebendig. Die Solisten aus Hamburg, Geraldine Zeller (Sopran), Anne-Dorothea Pahl (Alt) und Winfried Adelmann (Tenor) sowie der für den erkrankten Jan Westerndorff eingesprungene Bassist David Czismar sangen ihre Solo- und Ensemblepassagen mit berührender Anteilnahme und Fingerspitzengefühl. Auch die Mitteldeutsche Kammerphilharmonie und die Instrumentalsolisten warteten mit transparenter Klangschönheit auf. Am Ende gab es lang anhaltenden verdienten Beifall für alle Beteiligten.
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LZ vom 6.12.2006 Mozart in C
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ff Bardowick. Milde Frühlings-Temperaturen - das erste Advent-Wochenende passt noch gar nicht recht zur Vorweihnachtszeit. Bei aller Freude über das schöne Wetter bleibt ein ungutes Gefühl: Wie viel Klima-Katastrophe steckt dahinter ? Schönheit und Vitalität vor durchaus düsterem Hintergrund, das passte zum Konzert der Städtischen Cantorei Lüneburg und der Mitteldeutschen Kammerphilharmonie im vollbesetzten Bardowicker Dom: „Mozart in C" bot prächtige, mitunter schillernde Werke, die der Komponist in Zeiten schuf, in denen ihm eigentlich kaum zum Jubilieren zu Mute war.
Das Mittelstück des Konzertes beispielsweise, die berühmte viersätzige „Jupitersinfonie", wurde 1788 in Wien vollendet. In diesem Jahr hatte Mozart heftige Geldsorgen, er suchte eine passabel bezahlte Anstellung. Auf die C-Dur-Sinfonie, heute gefeiert als meisterhafte Synthese barocker und klassischer Kompositionstechniken, hatte das anscheinend keinen Einfluss: Sie glänzt, strahlt eine erhabene Schönheit aus, die ihr (erst nach Mozarts Tod) diese Bezeichnung einbrachte. Die künstlerische Leiterin Birgit Agge entfaltete mit klarem, unprätentiösem Dirigat, ganz im Dienste der Musik, die fragilen Strukturen und den Jupiter-Charme der Sinfonie, die Kammerphilharmonie reagierte sensibel. Neuen Lorbeer sammelte die Städtische Cantorei mit den beiden Vokalwerken des Abends, der Krönungsmesse (KV 317) in C-Dur und der abschließenden Großen Messe (KV 427) in c-Moll. Die Krönungsmesse (1779/1780), auch hier entstand der vielversprechende Titel erst posthum, ist mit ihren eingängigen Melodien erstaunlich volkstümlich. Zugleich transportiert sie eine Fülle musikalischer Ideen. Rätselhafter ist die c-Moll-Messe von 1783: Der Komponist hat sie, aus welchen Gründen auch immer, nicht beendet. Mozart musste Fragmente aus älteren Werken mit einfügen, später wurde das (trotzdem) beeindruckende Werk nach Skizzen vervollständigt.
Die Cantorei präsentierte Mozarts Musik mit warmer Strahlkraft, dabei blieb die Artikulation des recht großen Klangkörpers präzise. Glanzlichter setzten die Solisten, August Schräm (Tenor) und Tobias Germeshausen (Bass-Bariton), vor allem aber die deutlich mehr geforderten Sopranistinnen Geraldine Follert-Zeller und Marret Winger. Ihre Duett-Passagen zählten zu den dramatisch eindrucksvollsten Momenten. Große Anerkennung, langer Applaus für die Solisten, für Birgit Agge, für Chor und Orchester. Dass einige Zuschauer froh waren, aufstehen zu können, hatte einen anderen Grund: In zwei Konzertstunden (netto, ohne die Pause) können Kirchenbänke ganz schön hart werden.
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LZ vom 3.12.2005 Der Elias
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hjr Elias 3. Dez. 2005
Berühungsängste sind Birgit Agge fremd. Schon häufig hat sich die ambitionierte Leiterin der Städtischen Cantorei beherzt auf große Werke eingelassen, oft mit Erfolg, wie zum Beispiel vergangenen Sommer mit dem „Canto General" von Mikis Theodorakis. Nun sollte es Felix Mendelssohn Bartholdy sein:
„Elias", ein Oratorium aus dem romantischen Füllhorn, monumental in Klang und Besetzung. Rund 400 Mitwirkende gestalteten 1846 die Uraufführung in Birmingham. Für die Wiedergabe im gut besetzten Bardowicker Dom mobilisierte die Dirigentin immerhin ein Drittel dieser stattlichen Zahl. Vier Solisten und die bestens disponierte Philharmonie aus Zielona Gora (Polen) halfen bei der Realisierung des anspruchsvollen Vorhabens. Ungewöhnlich beginnt das Oratorium: Noch vor der Ouvertüre singt der Bassist, begleitet von düsteren Tönen, den Fluch des Elias. Das legt den Boden für eine aufgewühlte, bewegende Dramatik aus. Das Tempo ist forciert, die Dynamik pocht gehetzt. In diese Stimmung skandiert der Chor das verzweifelte, bedrohlich wirkende „Hilf, Herr". Die Atmosphäre knistert, das lässt niemanden ungerührt.
Jetzt kann Birgit Agge nur gewinnen, wenn sie das straffe Dirigat durchhält. Der Text hat Tücken, gilt theologisch als fragwürdig, weil hier eine krude Mischung aus Wundergeschichten, Erlösungsgedanken und zusammenhanglosen Aussagen montiert ist. Birgit Agge spürte jedoch ebenso konsequent wie subtil die jeweilige Situation auf, von den Interpreten vorzüglich durchleuchtet: Angst, Klage, Verheißung und das Staunen über göttliche Taten addieren sich zu einem sakralen Werk, dessen Partitur besticht.
Die Philharmonie Zielona Gora erwies sich als zuverlässiger Partner. Der Ton federte angenehm, blieb selbst im brausenden Maestoso transparent, so im opernhaft spannend angelegten Konflikt zwischen Gott und Baal. Karin Malangré (Sopran) und Franziska Kimme (Alt) waren mäßig gefordert, füllten ihre Aufgaben mit ausreichendem Volumen, meist punktgenauer Intonation und überzeugender Modulation aus. Friedrich von Mansberg gefiel als Obadjah: Sein Tenor hat an Reife gewonnen, ist stabil in der Tiefe, erfreulich geschmeidig in hohen Lagen - eine rundum überzeugende Leistung. Als Elias hinterließ Bassist Joachim Kruse einen sehr positiven Eindruck. Seine Stimme brachte alle Facetten der Figur zum Klingen, er war ein mahnender, flehender, bisweilen grimmiger Prophet.
Der Chor musste sich ebenfalls reichlich anstrengen. Wechselbäder aus leisem Zaudern, furchterregtem Schaudern und getragenen Momenten erlebten, abgesehen von kleinen Wacklern, ausgezeichnete Umsetzung. Trost, Triumph, nüchterne Erzählung und stark emotionaler Kommentar illustrierten die ausgewählten Bibelstellen.
Das Publikum honorierte die packende, dichte Aufführung mit langem, herzlichem Applaus.
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LZ vom 22. Juli 2005 Canto General
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hjr Lüneburg.
Zwei Künstler unterschiedlicher Herkunft mit vergleichbaren Schicksalen, 1971 kreuzte sich ihr Weg in Paris: Pablo Neruda (1904-1973) und der damals 46-jährige Mikis Theodorakis. Beide durchlitten den Machtwahnsinn der Diktatur, kannten Ausgrenzung, Diffamierung, politische Haft, Exil. Dort begegneten sich der chilenische Schriftsteller und der griechische Komponist. Sie verband unbedingtes, unerschrockenes Eintreten für Menschenrechte und Zivilcourage. Ein gemeinsames Werk lag nahe.
Der „Canto General" führte sie künstlerisch zusammen, seit der Uraufführung 1973 ein populäres Oratorium von zeitloser Brisanz. Die Städtische Cantorei suchte unter Leitung von Birgit Agge erneut Auseinandersetzung mit dem symbolhaften Text und der perkussiv geprägten Musik. Nach Konzerten in Hamburg erlebte die stringente Einstudierung im restlos ausverkauften Lüneburger Vamos ihr Finale.
Riesig ist das Aufgebot: Ein gewaltiger Chor. Schlagwerk und Solisten müssen mit der spezifischen Rhythmik vertraut sein, um die Botschaft glaubwürdig zu vermitteln. Daran hatten Birgit Agge und Cornelius Trantow als musikalische Leiter sorgfältig gefeilt. Sie führten für das ambitionierte Vorhaben die Hamburger Singakademie und die Städtische Cantorei zusammen, engagierten der Literatur-Nobelpreisträger, schrieb die aufwühlenden Gedichte bereits 1948, Mikis Theodarakis vertonte sie nach dem Treffen von Paris. Der lateinisch gesungene „Canto General" signalisiert Aufbruch, ein flammender Ruf nach Befreiung von den Fesseln jener Politiker und Wirtschaftsunternehmen, die Menschenwürde mit Füßen treten. Die Komposition will direkt anrühren, wachrütteln. Sie ist wuchtig, leidenschaftlich, kämpferisch. volkstümlich, stark durchzogen von südamerikanischem Kolorit und griechischen Einsprengseln.
Es braucht viel Energie, um die Spannung in dem gut zweistündigen Oratorium zu halten. Das gelang Birgit Agge. Alle Beteiligten zogen mit, wuchsen über eigene Leistungsgrenzen hinaus, voran die beiden Chöre und das Orchester. Die Solisten stellten sich uneitel in den Dienst der gemeinsamen Sache, ließen sich von dem Stück hörbar begeistern.
Nicht einmal das Schweiß treibende Dampfsauna-Klima im Vamos ließ den Apparat wanken. Zwischendurch gab es viele Bravos, am Ende prasselnde Ovationen.
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LZ vom 4. Dez. 2004 Requiem Mozart
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hjr Bardowick.
Fast immer steht Wolfgang Amadeus Mozarts Requiem solo auf dem Programm. Was auch sollte die Totenmesse würdig begleiten? Birgit Agge wagte sich an eine heikle Koppelung und zog von der vorangestellten Sinfonie Nr. 40 in g-Moll (KV 550) einige gedankliche Verbindungen zum folgenden Chorwerk. Das 1788 geschriebene Instrumentalstück bricht mit der Heiterkeit früherer Kompositionen, entwickelt eine Dramatik, die sich aus Leid und innerem Kampf nährt. Trotzdem verlieren die Sätze alle irdene Schwere. Sie streben zu den Lichtpunkten jenseits offensichtlicher Finsternis.
Daraus spricht Trost wie im Requiem gleichfalls anrührend vermittelt. Die polnische Symfoniczna Pro Arte aus Imowroclaw bemühte sich unter straffem Dirigat um eine schlüssige Wiedergabe im voll besetzten Bardowicker Dom. Birgit Agge lenkte ihr Augenmerk auf Kontraste, stellte Pastellfarben neben drängende, hitzige Passagen, kraftvoll gespielt vom Orchester. Selbst aus den Piano-Teilen strömte reichlich Energie, so im Finalsatz. Die Musik atmete, erhielt emotionale Bezüge, malte das typische Kolorit von Entsetzen, Trauer und Erlösung. Den gewaltigen Apparat hielt Birgil Agge umsichtig zusammen. Im Kyrie und Dies Irae forcierte sie das Tempo bis zum Presto, ließ dafür im Introitus genügend Platz für angemessene Entfaltung der dunklen Grundstimmung. Die Städtische Cantorei, in den letzten Jahren oft gefordert in der Auseinandersetzung mit großen Partituren, hatte sich mit ihrer Leiterin und dem Orchester intensiv präpariert.
Das Kyrie mit seiner pulsierenden Bewegung bereitete den Choristen noch etwas Mühe, und die Texte wären in deutlicher Diktion wünschenswert gewesen. Doch insgesamt bekam jeder Teil markanten Zuschnitt. Wie so viele Chöre beklagt auch die Cantorei akuten Herren-Mangel Das Manko balancierte die Dirigentin durch reduziertes Volumen bei Sopran und Alt aus, während Tenore und Bässe ihre Stimmstärke voll auskosten durften. Die Instrumentalisten unterstrichen die Vitalität des Requiems.
Über der Trauer stand das Strahlen der Ewigkeit. Für diese Aussage mobilisierte der Chor alle Reserven, brauste nicht nur im Sanctus zu großer Geste auf. Mozart und sein späterer Vollender Franz Xaver Süßmayr bedachten die vier Gesangssolisten mit eher harmlosen Aufgaben. Johanna Mohr (Sopran), Bonnie Cameron (Alt), der kurzfristig eingesprungene Friedrich von Mansberg (Tenor) und Bassist Jan Träbing. nahezu nur im Quartett gefragt, zeichneten schöne, geschmeidige, subtil ausgehorchte Linien und harmonierten mit ihrem warmen Timbre, stets in bester Korrespondenz mit Chor und Orchester. Das Publikum bedankte sich für die gelungene Wiedergabe mit langem Beifall.
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LZ vom 17.5.2003 Carmina Burana
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Musik fördert Lebensfreude
Natur lässt sich wunderbar besingen, besonders unter freiem Himmel. Gerade der Frühling inspirierte Komponisten. Um zwei ging es in der Kurpark-Muschel: Felix Mendelssohn-Bartholdy mit seiner „Ersten Walpurgisnacht" - von 1841 sowie Carl Orff und seine fast genau 100 Jahre später entstandene „Carmina Burana". Beide Werke beschwören Heiterkeit, Lebensfreude und jene übersinnlichen Kräfte, die zwischen Wald und Wolken wallen sollen. Birgit Agge brachte ihre Städtische Kantorei, die Hamburger Singakademie, die Camerata Nova aus Stettin und vier Gesangssolisten ins Lot.
In der Dämmerung vorgetragen wäre die Walpurgisnacht sicherlich dämonischer, gruseliger. Aber auch so erzielt Mendelssohn-Bartholdy bezwingende Wirkung. Die Musik weist durchgängig opernhaften Zuschnitt auf, spart nicht mit Pathos und opulenter Tonmalerei. Das polnische Orchester kostete den Rahmen der Partitur weidlich aus, bemühte sich sensibel um lyrische Momente.
Birgit Agge leitete zupackend, forcierte häufig das Tempo. Die gut ausbalancierten Chöre nahmen den Faden konzentriert auf, brachten Sinnenfreude ins Spiel und fingen sich immer rasch nach kleinen Intonationswacklern. Von den Solisten hatte Bass-Bariton Sebastian Bluth die umfangreichste Aufgabe. Neben ihm beeindruckten Karin Kunde (Alt) und Michael Connaire (Tenor) mit ausdrucksvollen, modulations- fähigen Stimmen. Orffs Werk „Carmina Burana" wird oft für Theater und Film genutzt. Als Konzertstück berührt die Musik kaum weniger. Vivace und Forte bestimmen das Klangbild, dazu kommen raffiniert eingesetztes Schlagwerk und die gelegentlich mittelalterliche Prägung. Die 25 Abschnitte zeichnen sich durch wechselnde Stimmungslagen aus: Poesie, Ausgelassenheit, Ironie, Anmut und Exzess: Birgit Agge steckte die Kontuturen mit sicherem Gespür für die Leistungsfähigkeit der Mitwirkenden ab. In den Chören achtete sie auf Textverständlichkeit und saubere Differenzierung inder Dynamik. Gerade in den leiseren Passagen zeigten Cantorei und Singakademie erstaunliche Feinfühligkeit, selbst in hohem Tempo. Zu einem wahren Kabinettstückchen geriet „In Taberna". Die Solisten stehen meist in zweiter Reihe. Sebastian Bluth glänzte unter anderem im derben Trinklied, während Michael Connaire dem „gebratenen Schwan" herzerweichendende Töne verlieh. Auch Danata Dulska gefiel in mehrem Einsätzen mit hellem, biegsamem Sopran, bestens geeignet für die zahlreichen Verzierungen. Die oft motorische Rhythmik wurde vom gut präparierten Orchester mit Feuer wiedergegeben.
Eine runde Gesamtleistung, von allen Beteiligten mitAnteilnahme vorgetragen: Das Publikum dankte mit langem, kräftigem Applaus. hjr
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LZ vom 7.6.1999 Johannes-Passion
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Johannes-Passion
Fordern und Motivieren Selbst in kühnsten Phantasien hat sich Johann Sebastian Bach wohl kaum ausgemalt, welche Kettenreaktion seine jugendliche Stippvisite in Lüneburg einst auslösen würde. Alljährlich kommt hier eine breite Werkauswahl zur Aufführung. Der 250. Bach-Todestag im kommenden Jahr löst wieder eine Flut von Projekten aus. Die Städtische Cantorei und Leiterin Birgit Agge widmen mit dem frisch gegründeten Orchester der Niedersächsischen BachAkademie dem Leipziger Kantor gleich einen kompletten Zyklus. Ein ehrgeiziges, auch heikles Unternehmen, das mit der Johannespassion im mäßig besuchten Bardowicker Dom eine solide Ouvertüre erlebte. Birgit Agge muß reichlich Überzeugungskraft besitzen, um ihren Chor für ein solches Vorhaben zu mobilisieren. Für die Johannespassion gewann sie mehr als 80 Sänger, denen intensive Stimmbildung und Atemtechnik-Übungen anzumerken waren: harte Arbeit für eine großes Ziel. Die ambitionierte Leiterin lockte die Singgemeinschaft aus der Reserve, führte an Grenzen. Das ist erklärte Absicht, Überforderung gilt es allerdings zu vermeiden. Birgit Agge straffes Dirigat beförderte das Tempo. Der Anfang allerdings wackelte noch. Das Orchester wirkte etwas schwerfällig, es fehlte das vonBach beabsichtigte Drängen um das Licht zwischen Schatten drohenden Unheils von Golgatha. Auch die Cantorei sang angestrengt, mußte sich erst einfinden. Das glückte zunehmend. Differenzierungen gerieten ausgeklügelter, innere Anteilnahme war spürbar. Die schwierigen dialogischen Passagen gewannen im Verlauf an Profil, vor allem in der packenden Kreuzigungsszene. Birgit Agge führte Chor, Solisten und Orchester über die Klippen hinweg. Im „Ruht wohl, ihr heiligen Gebeine" setzte der Chor durch punktgenaue Stimmenverflechtung, Ausdruck und Textverständlichkeit starke Akzente. Bei den Solisten hatte Thilo Himstedt als Evangelist die meiste Arbeit, er überzeugte in den Rezitativen durch markanteStimme und strahlende Höhe. Volker Schwarz, kurzfristig verpflichtet, gefiel mit kernigem Baß, Ulrich Jehmlich gab dem Christus-Part klare Konturen. Ilse-Christine Otto gönnte den Sopran-Arien viel Anmut und zarten Schmelz, Andrea Glaser-Gallion (Alt) setzte gegen das etwas kleinere Stimmvolumen Ausstrahlung.
Wie Chor und Solisten erwies sich das Orchester als Stütze. Die Musiker legten die Partitur mit Gespür für Kontraste aus. Den ersten Kraftakt ihrer Bach-Reihe überstand Birgit Agge somit ohne Blessuren. Die Dirigentin motivierte die Beteiligten zur Gemeinschaftsaktion. Manches könnte runder sein, Gegensätze besser ausformuliert. Im Dezember folgt mit der H-Moll-Messe die nächste Tat. hjr
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LZ vom 19.5.1998 Neunte Symphonie
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Neunte Symphonie - Beethoven
Der große Wurf gelang Mit der „Ode an die Freude" von Friedrich von Schiller, vertont von Ludwig van Beethoven in seiner 9. Symphonie, erhielt die Aula der Rudolf-Steiner-Schule die Weihen als Pflegestätte der Musik. Tatsächlich scheint hier der „große Wurf", den Schiller in seiner Ode preist, gelungen: Die Aula, eine Art bescheidene Lüneburger Version berühmter Konzertsäle, hat eine vorzügliche, nachhallfreie, direkte Akustik, die Fehler nicht verzeiht.
Oberbürgermeister Ulrich Mädge freute sich über das Interesse des Publikums an der Premiere und über die richtige Entscheidung, das Konzert zur Eröffnung der Ausstellung „Biedermeier und Revolution in Lüneburg" nicht im Kurpark zu veranstalten. Open air hätte sich die bezwingende Atmosphäre nicht ergeben, wäre die außerordentliche Leistung der Städtischen Kantorei Lüneburg vielleicht im Maienwind verflogen.
Außerordentliches hatte die agile Birgit Agge mit der über 100 Stimmen starken Cantorei einstudiert. Denn neben Beethovens Symphonie wurde die „Erste Walpurgisnacht" von Felix Mendelssohn-Bartholdy aufgeführt, die, wie die Neunte, einen großen „Apparat" braucht: Ein Orchester von über 60 Musikern, gestellt von der Staatlichen Philharmonie Brasov, deren Musiker sich der klaren Zeichengebung der Dirigentin fügten. Die entwarf ein grandioses Natur- und Stimmungsgemälde, Oratorium und pompöse Oper, in der Teufel, Hexen und christliche Wächter auftauchen. Dankbare Partien auch für die Solisten: Die Altistin Ute Siegmind Minich, die freischaffende Konzert- und Opernsängerin ist und in Reppenstedt lebt, der Tenor Albrecht Lepetit, und, eigentlich an erster Etelle zu nennen, der fulminante Bassist Sebastian Bluth. Er hatte viel zu singen, markante Rezitative und große Arien, es gelang ihm vorzüglich, die Textbotschaft zu vermitteln.Wenn das faszinierende Werk in Wagnerscher Weihestimmung ausklingt, sind des Hörers Sinne geweckt für die Aufnahme von Beethovens Neunter, in der nun auch die Sopranistin Melody Dobson Stimme zeigte und sich in den Tutti durchsetzen konnte. Da der „Glaubensstreit" über die Tempi noch immer tobt, wählte Birgit Agge den Mittelweg. Sie betonte den Maestoso-Charakter des ersten Satzes, mußte Orchester und Cantorei beim Molto vivace nicht hetzen und gelangte so ohne Probleme zum überzeugenden Aufbau des Finales, in dem die Cantorei noch einmal wahre Wunder vollbrachte.
Beifall, Blumen und standing Ovations für ein herausragendes Musikereignis. hsp
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Wir wollen ja nicht prahlen...
Nur ein kleiner Ausschnitt von Presse-Rezensionen. Die Landeszeitung (LZ) ist das überregionale und kulturell anerkannte Blatt in der Region LG und Umgebung.
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Die Musik im Hintergrund ist von unserer Aufführung im Februar 2010 in der Philharmonie Berlin - Schubert Messe As-dur “Gloria”
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